Gushing – ein Phänomen bei Bier

Deutsches Bier ist ein echtes Naturprodukt, es wird allein aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe hergestellt. Jahrgangsbedingt schwanken durch die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse die Eigenschaften von Hopfen und Malz. Die Kunst und Aufgabe des Braumeisters ist, den Brauprozess so zu gestalten, dass trotz dieser natürlichen Schwankungen stets Biere auf einem hohen Qualitätsniveau mit konstanten Eigenschaften gebraut werden. Verständlicherweise stoßen unsere Braumeister ohne die Möglichkeit Zusätze zu verwenden an Grenzen, wenn sehr starke jahrgangsbedingte Schwankungen von Hopfen und Braugerste, der Basis von Malz, auftreten. Dies ist derzeit beim Gushing von Bier in einigen Fällen gegeben.

Als Gushing bezeichnet man das starke selbstständige Aufschäumen der Kohlensäure nach dem Öffnen der Bierflasche oder dem Einschenken ins Glas. Generell ist ein Aufschäumen des Bieres ein erwünschter Vorgang und ein Qualitätsmerkmal, entsteht doch so die appetitliche Schaumkrone. Ungewöhnliche Witterungsschwankungen mit einem Wechsel von hohen Temperaturen und Phasen hoher Niederschläge haben jedoch bei einigen Provenienzen der Braugerste des Jahrgangs 2011 dazu geführt, dass dieses Aufschäumen des Bieres manches Mal zu heftig auftritt, man spricht dann von Gushing. Man kann sich das so vorstellen, dass in Bier gewisse gelöste Eiweißmoleküle zur Entbindung von Kohlensäureblasen führen, so ähnlich wie wenn ein Reiskorn in das Bier geworfen wird. Dies ist einerseits ein Zeichen für ein qualitativ hervorragendes, spritziges Bier, aber andererseits durchaus lästig und unangenehm.

Generell aber hat es keine Auswirkungen auf die Qualität oder den Geschmack des Bieres, im Gegenteil, es ist ein Beleg für das Bekenntnis der deutschen Brauereien zum Reinheitsgebot, dem ältesten Lebensmittelgesetz der Welt.

München, 16. Mai 2012